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Rauchvergiftung / Brandrauch

11. November 2009

Rauch ist in der Regel ein Schadstoff für Mensch und Umwelt.
Meist sind es nicht die Flammen oder die Hitze, die zur tödlichen Gefahr bei einem Brand werden, sondern der Brandrauch. Dieser tritt vorwiegend bei Schwelbränden (95% aller Brände) auf.

Menschen und Tiere, die nicht rechtzeitig flüchten oder gerettet werden, haben kaum eine Überlebenschance.

In der Umgangssprache wird dichter, undurchsichtiger und gegebenenfalls dunkler Rauch als Qualm bezeichnet. Rauch/Abgas aus Bränden nennt man auch Brandgas.

 Eigenschaften des Brandrauches :
– Kommt lautlos
– Ist schneller als das Feuer
– Behindert oder nimmt die Sicht
– Erzeugt Angstgefühle und lähmt die Entschlussfähigkeit
– Behindert besonnenes Verhalten
– Kann bis 800 Grad heiss werden
– Kann in den Kleidern hängen bleiben
– Ist tödlich

 Bestandteile des Brandrauches
Der Brandrauch ist kein einheitlicher Stoff, sondern ein Gemisch von mehr oder weniger giftigen Substanzen wie:
– Abgasen
– Staubpartikeln (Ruß, Flugasche, Unverbranntes, …)
– Nebeltröpfchen/Aerosol (Wasser, Öldämpfe, Säuredämpfe, …)

Während der Brandrauch sich früher hauptsächlich aus Rußpartikeln, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid zusammen setzte, muss heute aufgrund der verschiedenen Kunststoffe mit einer Vielzahl verschiedener Gifte gerechnet werden wie:
– Dioxine
– Furane
– Blausäure
– Flurwasserstoffe
– Nitrose-Gase
– benzolartige Kohlenwasserstoffprodukte
– Ammoniak
– Phosgen
– Schwefeldioxid
– Formaldehyd 

Symptome
– Kratzen im Hals
– Reizhusten
– Schwindel
– Kopfschmerzen, besonders an den Schläfen
– Übelkeit, ev. periodische Brechanfälle
– Beschleunigung der Atmung
– Beschleunigung des Pulses (tachycard)
– Herzbeschwerden
– Krämpfe
– Unruhe, Erregungszustände oder  Mattigkeit
– blaue Haut und Schleimhäute
   (Vorsicht: bei Kohlenmonoxidvergiftung oft hellrote Hautfarbe!)
– Bewusstlosigkeit
– Kreislauf- und Atemlähmung (Kreislaufstillstand)

Erste Hilfe
Wichtig! 
Bei jeder Person ist mit einer Rauchvergiftung zu rechnen, die sich ohne Atemschutzgerät im Brandrauch aufgehalten hat.

Vergiftungen durch Nitrose-Gase können sich erst nach 24 Stunden bemerkbar machen.

Jede Person mit Verdacht auf Rauchvergiftung ist zwingend schnellst möglich in ärztliche Kontrolle zu überstellen.

– Rettungsdienst alarmieren
– Eigenschutz beachten
– Betroffenen ausserhalb der Gefahrenzone hinlegen oder hinsetzen
   (atemerleichternde Sitzhaltung)
– beengende Kleidung öffnen
– Sauerstoffabgabe
– bei Bewusstlosigkeit  A, B, C, D 

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 Erklärungen zu den verschiedenen Atemgiften
Die Wirkung der Atemgifte ist sehr unterschiedlich, da sie abhängig von Substanz, Konzentration und Einwirkungsdauer ist.

Atemgifte mit erstickender Wirkung
Diese Atemgifte sind im eigentlichen Sinne keine Gifte, da diese in „vergleichsweise geringen Dosen“ nicht wirken. In hohen Dosen verdrängen diese jedoch den lebensnotwendigen Sauerstoff.
Das Besondere an diesen Stickgasen ist, dass sie mit den menschlichen Sinnesorganen nicht wahrzunehmen sind.

Beispiele von Gasen:
Stickstoff, Wasserstoff, Edelgase (z.B. Argon, Helium)

Schutzmassnahmen (PSA):
Einziger Schutz gegen diese Stickgase sind umgebungsluftunabhängige Atemschutzgeräte

Auswirkungen bei Sauerstoffmangel:

Sauerstoffgehalt Stickgasgehalt  Wirkung 
21% – 17% 79% – 83% keine Beeinträchtigung der Atmung
17% – 13% 83% – 87% Ermüdungserscheinungen
13% – 10% 87% – 90% Atemnot
10% – 8% 90% – 92% Bewusstlosigkeit
< 8% > 92% Tod

 
Atemgifte mit Reiz- und Ätzwirkung
Diese reizen oder zerstören das Gewebe der Atemwege und lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:

Die leicht wasserlöslichen Atemgifte:
Diese schädigen die oberen Atemwege (Mund, Nase, Rachenraum, Kehlkopf) und sind weniger gefährlich als die schwer wasserlöslichen.
Abgesehen von der Ätzwirkung werden leicht wasserlösliche Reizgase bereits in ungefährlichen Konzentrationen durch die menschlichen Sinnesorgane wahrgenommen, so dass rechtzeitig Schutzmaßnahmen durchgeführt werden können.

Die schwer wasserlöslichen Atemgifte:
Diese gelangen in die unteren Atemwege (Luftröhre, linke und rechte Luftröhrenhauptäste, Bronchien, Bronchiolen und Alveolen) und wirken dort nach einer Latenzzeit (Inkubationszeit oder einfach gesagt verzögert) schädigend auf den restlichen Körper oder führen zu Lungenödemen.

Beispiele von Gasen:
Säuredämpfe, Ammoniak, Nitrose-Gase, Laugendämpfe, Phosgen, Stäube von Kali oder Ätznatron

Atemgifte mit Wirkung auf Blut, Nerven und Zellen
Diese Atemgifte werden vorwiegend über die Atmungsorgane in das Blut aufgenommen und können dadurch andere Organe oder direkt das Gehirn schädigen.
Prinzipiell können diese Atemgifte auch über die Haut aufgenommen werden. Da dies aber wesentlich langsamer geschieht, stellt die Aufnahme über die Atemwege die Regel dar.

Beispiele von Gasen:
Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Blausäure, Alkohole, Schwefelwasserstoff, Schwefelkohlenstoff und die chemischen Kampfstoffe Tabun, Soman, Sarin, VX.
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Kohlenmonoxid (CO) ist ein farb- und geruchloses Gas und leichter als Luft. Es entsteht bei der Verbrennung organischer Substanzen und kann unter bestimmten Voraussetzungen ein explosives Gemisch bilden.
Dieses Gas bindet sich etwa 300-mal fester an die Erythrozyten als Sauerstoff. Eine Zyanose (Blaufärbung) tritt aufgrund der Sauerstoff ähnlichen Bindungsart nicht ein. Die Patienten sehen oft rosig aus (schweinchenrosa).
Häufig wird diese Vergiftung bei Suizid festgestellt infolge Autoabgasen.

Symptome bei CO Vergiftung:

10 – 20%  Leichte Kopfschmerzen, Belastungsatemnot, Übelkeit,
Haut-, Gefässdilatation (Weitstellung)
20 – 30%   Deutliche Kopfschmerzen, Atemnot in Ruhe, Schwindel
40 – 50%  Tachypnoe, Tachykardie, Kollaps, Somnolenz
(Benommenheit mit abnormer Schläfrigkeit)
50 – 70% Tachypnoe, Tachykardie, Bewusstlosigkeit, Koma
mit intermittierenden Krämpfen
> 70% Schwacher Puls, langsame Atmung, Atemversagen, Tod


Kohlenstoffdioxid (CO2)
reguliert beim gesunden Menschen den Atemreflex, indem der Kohlendioxidgehalt im Blut vom verlängerten Rückenmark (Medulla oblongata) gemessen wird.
Bei stetiger Erhöhung des CO2  in der Atemluft/Aussenwelt hat dies zunächst eine Steigerung der Atmungsfrequenz und Atmungstiefe zur Folge,  der weitere Verlauf ist eine Atemlähmung mit Bewusstlosigkeit und möglicher Todesfolge.

Blausäure (kurz HCN, Cyanwasserstoff) ist ca. 50-mal giftiger als Kohlenmonoxid (CO), wird sehr schnell vom Körper aufgenommen und verhindert den Sauerstoffaustausch zwischen Blut und Zellen.  Dies kann bereits nach sehr kurzer Zeit zum Tod infolge innerer Erstickung führen.
Blausäuredämpfe entstehen bei Schwelbränden mit Kunststoffen bei etwa 300C° und riechen bei hoher Konzentration nach Bittermandeln.
Achtung: Blausäure wird bei hohen Konzentrationen auch über die Haut aufgenommen, daher ist ein reiner Atemschutz unzureichend.
Unfallopfer sind zwingend schnellst möglich  in ärztliche Behandlung zu überstellen.

Link Vergiftung allgemein
Link Toxische Schäden

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