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Vergiftung allgemein

23. März 2009

Es gibt zwei Arten von Vergiftungen

Endogene = Im Körper entstehend wie: (nicht Gegenstand dieser Abhandlung)
  Leber-, Nierenversagen usw.
Exogene = Von aussen einwirkend wie: (Thema dieser Abhandlung)
  Schädigende Einflüsse von chemischen, tierischen, pflanzlichen oder
  sonstigen Giften

Bei einer unklaren Erkrankung oder Koma sollte immer an die Möglichkeit einer Vergiftung gedacht werden.
Die Giftstoffe können wie folgt in den Körper gelangen: Durch den Mund (oral), Einatmung (Inhalation), über die Haut (durchdringend) oder mittels Injektion.

 Meldeschema der 6W sollte hier gezielt eingesetzt werden
(Tox-Zentrum 145)

Siehe Meldeschema

Der Giftnachweis wird in einem Labor gesichert. Daher ist die Aufbewahrung (Asservierung) von Erbrochenem, Medikamentenresten oder Schachtel, Sicherheitsblättern usw. unbedingt zwingend.

Auf keinen Fall darf ein Patient zum Erbrechen gebracht werden bei Bewusstseinsstörungen, Kreislaufstörungen, Vergiftungen mit ätzenden Substanzen, Schaumbildnern und organischen Lösungsmitteln.

Hier besteht die Gefahr einer Aspiration oder einer weiteren Schädigung.

 
Allgemein typische Symptome bei Vergiftungen sind
– Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit, Krämpfe, Lähmungen,
  Pupillen-Grössenveränderung, Atem- und Kreislaufstörung, Störung im
  Verdauungssystem, äussere Verletzungen (Ätzspuren)
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Alkohol
 
Eine lebensgefährliche Alkoholvergiftung tritt bei einem erwachsenen Menschen auf nach der schnellen Einnahme ab ca. 100 gr. reinem Alkohol (z.B. zwei Flaschen Wein).
Achtung: Bei Kindern ist diese Schwelle viel niedriger.
 
Symptome
– Atemgeruch „Fahne“
– Schnelle Atmung bis zur Hyperventilation
– Zuerst Erregung, dann Bewusstseinsstörungen
– Lähmungen
– Unterzuckerung (Hypoglykämie)
– Tiefe Körpertemperatur
  
Nothilfe
– Erbrechen herbeiführen
– Alarmierung
– Kontrolle und Erhaltung der Vitalfunktionen
– Wärmeerhalt
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Pflanzen-, Schädlingsbekämpfungsmittel 

Giftstoffe wie z.B Alkylphosphat E 605 sind in einer Vielzahl von solchen Produkten enthalten. Die Aufnahme (Resorption) erfolgt über die Schleimhaut, Haut, oral oder Lunge.
Das Vollbild einer Vergiftung entwickelt sich innerhalb von Minuten bis  Stunden.
Häufig sind Giftreste noch zu sehen (blaue Färbung der Lippen, im Mund usw.) 
  
Symptome
– Durchfälle mit stärksten Krämpfen
– Speichel- und Tränenfluss
– Zyanose (Blaufärbung durch Sauerstoffmangel)
– Stark verschleimte Lunge
– Pupillenengstellung
– Bewusstseinstrübung bis Koma
– Kreislaufstillstand
  
Nothilfe
– Alarmierung
– Kontrolle und Erhaltung der Vitalfunktionen
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Halluzinogene (Haschisch, LSD usw.)
 
Lebensgefährliche Vergiftungen mit Halluzinogenen sind eher selten. Gefährlich wird es, wenn Haschisch, Marihuana oder LSD unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes (parenteral), z.B. durch Injektionen, verabreicht wird.
  
Symptome
– Psychische Auffälligkeit
– Pupillenweitstellung, Lichtempfindlichkeit, Tränenfluss
– Muskelzucken
– Tachykardie
– Hypertonie
– Atemdepression (besonders bei LSD)
– Zentrale Krämpfe, epileptische Anfälle
– Bewusstlosigkeit
 
Nothilfe
– Alarmierung
– Kontrolle und Erhalt der Vitalfunktionen

Vorsicht wegen der erhöhten Gefahr einer Infektion Drogensüchtiger mit Hepatitis und Aids!

Es sollten unbedingt Schutzhandschuhe getragen werden!

 

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Kokain

Siehe Halluzinogene (Haschich, LSD usw.).
Eine Besonderheit ist der „Kokainschock“, wobei es schon nach der Einnahme von geringen Kokainmengen zu einem solchen
Schock kommen kann (allergische Reaktion).
  
Nothilfe
– Alarmierung
– Kontrolle und Erhaltung der Vitalfunktionen

Vorsicht wegen der erhöhten Gefahr einer Infektion Drogensüchtiger mit Hepatitis und Aids!

Es sollten unbedingt Schutzhandschuhe getragen werden!

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Opiate (Heroin)
 
Vergiftungen dieser Art sind zunehmend, vor allem die Notfälle mit einer Überdosis.
  
Symptome
– Pupillenengstellung
– Bewusstseinstrübung bis Bewusstlosigkeit
– Atemdepression
– Kreislauflabilität, Hypotonie, Bradycardie
 
Nothilfe
– Alarmierung
– Kontrolle und Erhalt der Vitalfunktionen

Vorsicht wegen der erhöhten Gefahr einer Infektion Drogensüchtiger mit Hepatitis und Aids!

Es sollten unbedingt Schutzhandschuhe getragen werden!

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Kohlenmonoxid
 
Kohlenmonoxid (CO) ist ein farb- und geruchloses Gas und leichter als Luft. Es entsteht bei der Verbrennung organischer Substanzen und kann unter bestimmten Vorraussetzungen ein explosives Gemisch bilden.
Dieses Gas bindet sich etwa 300-mal fester an die Erythrozyten als Sauerstoff. Eine Zyanose tritt aufgrund der Sauerstoff ähnlichen Bindungsart nicht ein. Die Patienten sehen oft rosig aus (schweinchenrosa).
Häufig wird diese Vergiftung bei Suizid festgestellt infolge Autoabgasen.
 
Merke:
Kohlendioxid (CO2) führt zu Erstickung und zeigt sich mit Zyanose
Kohlenmonoxid (CO) führt zu einer Vergiftung ohne Zyanose
 
Je nach prozentualem Anteil der CO-Bindung an das Gesamthämoglobin
ergeben sich folgende Symptome:

10 – 20%  Leichte Kopfschmerzen, Belastungsatemnot, Übelkeit,
Haut-, Gefässdilatation
20 – 30%   Deutliche Kopfschmerzen, Atemnot in Ruhe, Schwindel
40 – 50%  Tachypnoe, Tachykardie, Kollaps, Somnolenz
(Benommenheit mit abnormer Schläfrigkeit)
50 – 70% Tachypnoe, Tachykardie, Bewusstlosigkeit, Koma
mit intermittierenden Krämpfen
> 70% Schwacher Puls, langsame Atmung, Atemversagen, Tod

Nothilfe
– Alarmierung
– Kontrolle und Erhalt der Vitalfunktionen

Bei der Rettung ist unbedingt auf den Eigenschutz zu achten! Lebensrettende Massnahmen müssen unverzüglich eingeleitet werden.

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Reizgas
 
Reizgasvergiftungen entstehen bei Bränden (z.B. durch freigesetzte Chlor- und Nikrosegase). Die Folgen dieser Vergiftungen werden häufig unterschätzt, da die Reizerscheinungen nach der Entfernung aus dem Gefahrenbereich rasch nachlassen.
  
Symptome
– Anfangserscheinungen: Reizhusten, Übelkeit, Kopfschmerzen
– Später: Tachykardie, Fieber, Husten mit blutigem Auswurf und Hypotonie
 
Nothilfe
– Eigenschutz
– Alarmierung
– Kontrolle und Erhalt der Vitalfunktionen

Es kann sich bis zu 36 Stunden nach der Inhalation ein toxisches Lungenödem entwickeln.

 

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Schaumbildner
 
Am bekanntesten sind Vorfälle mit Kinder, wenn diese Spülmittel, Waschmittel oder Löschschaum verschlucken.
Es handelt sich hierbei nicht um eine akut lebensbedrohliche Situation.
Die Gefahr besteht in der Verlegung der Atemwege, indem Schaum eingeatmet wird.
 
Symptome
– Hustenreiz
– Magenbeschwerden
 
Nothilfe
– Abgabe von Schaumhemmer (z.B. Flatulex)
– Alarmierung
– Kein Erbrechen provozieren
– Körperliche Ruhe
– Kontrolle und Erhalt der Vitalfunktionen
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Schlafmittel
 
Etwa 60% aller Vergiftungen bei Erwachsenen sind Schlafmittelvergiftungen mit suizidaler Absicht.
  
Symptome
– Bewusstseintrübung
– Atemdepression
– Mechanische Verlegung der Atemwege
– Unterkühlung

  Nothilfe
– Alarmierung
– Kontrolle und Erhalt der Vitalfunktionen
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Link Toxische Schäden
Link Rauchvergiftung / Brandrauch

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